Dachausbau

In den meisten Fällen wird es zu erst darum gehen, unter Berücksichtigung der Gegebenheiten einen optimalen Grundriss für einen bewohnbaren Raum zu schaffen. Das hängt ganz wesentlich von der vorhandenen Dachkonstruktion ab.

Bei älteren Gebäuden am weitesten verbreitet sind die Satteldächer, bei denen zwei geneigte Dachflächen im First zusammenstoßen. Auch sogenannte Walmdächer, Satteldächer mit abgewinkelten Giebelwänden, finden sich recht häufig. Sie können als Sparren- oder Pfettendach ausgeführt sein. Sparrendächer bieten viel Platz unter dem Dach, da sich keinerlei Konstruktionen im freien Bodenbereich befinden. Die Sparren verlaufen lediglich von der Traufe auf den First. Anders bei Pfettendächern, hier finden sich Varianten mit Fuß- und Mittelpfetten, die einerseits zwar störend wirken können, andererseits elegant in die Konstruktion einbezogen zusätzliche Stabilität verleihen und den gestalterischen Spielraum deutlich erhöhen.

Wenngleich die baurechtliche Grundforderung 2,40 lichte Höhe für den künftigen Raum beträgt, sind Ausnahmen auch insofern möglich, dass in etwa die Hälfte der Grundfläche von Dachschrägen überdeckt sein darf.


Aufbauten oder Einschnitte

Je nach Wunsch, vorhandener Statik und vor allem Genehmigungslage können Dachaufbauten oder Dacheinschnitte zur Belichtung und Belüftung des Dachraumes geschaffen werden. Gauben, Balkone oder Dachterrassen verleihen dem neuen Raum einen ganz besonderen architektonischen Reiz und eine besondere Nutzbarkeit. Auch Dachfenster, Dachflächenfenster oder großflächige Verglasungen haben ihren Reiz.

Balkon oder Loggia

Loggien im klassischen Sinne sind an drei Seiten von Wänden des Bauwerkes umgeben, Balkone sind angesetzt. Dachbalkone ragen nicht im klassischen Sinne aus der Gebäudewand heraus, sondern stehen üblicherweise in der Dachhaut auf Höhe der Geschossdecke. Meist ohne die Außenwandbegrenzung des Gebäudes zu überschreiten. Aber auch solche Lösungen finden sich. Sie sind in der Mehrzahl stufenfrei betretbar. Dachfensterhersteller halten mittlerweile Bausätze für Dachbalkone vor. Hier sind aber in Einzelfertigung auch sehr individuelle Lösungen möglich.

Dachfenster bzw. Dachflächenfenster

Kommen unter anderem als Klapp-, Schwing- oder kombinierte Fenster zum Einsatz, vorausgesetzt das Dach hat eine Schräge von mehr als 25 Grad. Einige Hersteller bieten auch Sonderlösungen mit ausfaltbarem Geländer als De-facto-Balkon. Die Betätigung kann von Hand oder elektrisch erfolgen. Fensteroberkante und Handbetätigungen sollten sich nicht mehr als zwei Meter über dem Boden befinden, die Unterkante bei etwa 90 Zentimetern liegen. Fest stehende Zusatzelemente nach oben und unten sind möglich und schaffen eine individuelle Optik.

Fensterrahmen können aus Holz, Kunststoff oder Holz mit Kunststoffkern sein. Auch Metallrahmen sind gebräuchlich. Wartungsarmut und Haltbarkeit sind wichtige Kriterien bei der Auswahl. Fenster, die sich nicht verziehen, halten besser dicht.

Eingebaut werden sie mit eigens dafür gefertigten Eindeckrahmen, Abdeckungen sowie den ergänzenden Dämm- und Anschlusselementen. Die Entscheidung für eine Systemlösung schafft mehr Sicherheit, als Elemente verschiedener Hersteller zu kombinieren.


Ü-Zeichen ist ein Muss

Die Formen der Dachfenster reichen von klassisch rechteckig, über spitz bis rund. Doppelisolierverglasung ist heute Standard, dreifach wird von vielen Herstellern angeboten, zusätzliche Beschichtungen des Glases reflektieren Wärme und erleichtern die Sauberhaltung. Gefordert ist das sogenannte Ü-Zeichen, das die Zertifizierungsstelle der Gütegemeinschaft Mehrscheiben Isolierglas für gas- und luftgefülltes, beschichtetes Mehrscheiben-Isolierglas verleiht und das die Übereinstimmung mit den gesetzlichen Anforderungen an solche Bauelemente bestätigt.

Kriterien für das Ü-Zeichen

  • Wärmedurchgangskoeffizient
  • Gesamtenergiedurchlassgrad
  • Schalldämmwert

Denkbar ist auch die Vergrößerung vorhandener oder der Einbau neuer Giebelfenster, die insbesondere als bis in den First reichende Variante ihren Reiz, aber auch ihre genehmigungsrechtlichen und bautechnischen Tücken haben.

Ergänzen lassen sich solche Dachfenster durch innen oder außen liegende Rollläden, Jalousien oder andere Abschirmungseinrichtungen, die teilweise auch einbruchhemmend ausgeführt werden können.


Dachterrasse

Der Einbau einer offenen oder überdachten Dachterrasse direkt in die Dachtragekonstruktion wird wegen des hohen baulichen Aufwandes eher die Ausnahme und der Zusammenarbeit mit einem ambitionierten Architekten vorbehalten bleiben.

Eher vorstellbar ist in diesem Zusammenhang der Aufbau einer Dachterrasse auf einem angrenzenden flachen Gebäudeteil mit Schaffung eines Ausganges aus dem Dachausbau und eventuell ergänzt mit einer zusätzlichen Außentreppe. Eine solche zusätzliche Treppenkonstruktion als Wendeltreppe beispielsweise, könnte durchaus auch an eine in die Giebelwand einzubringende Außentür geführt werden.

Flächenverglasung

Spezialhersteller bieten in die Sparren einzulassende, oder konstruktiv als Gaube oder Turm aufgebaute Vollverglasungen mit Edelstahl- oder Aluminiumrahmen. So lassen sich auch vorhandene Treppenhäuser belichten und in den Dachgeschossausbau als eine Art Atrium einbeziehen.


Gaube

Gaube nennt man einen Aufbau im geneigten Dach eines Gebäudes. Je nach konkreter baulicher Form wird sie Giebel-, Walm-, Schlepp- oder auch Fledermausgaube genannt. Sie ist üblicherweise keine Fortsetzung der Gebäudewand.

Beim Ausbau eines Dachgeschosses schafft sie zusätzlichen Platz und verbessert die Lichtverhältnisse. Gauben werden gern auch zur Verbesserung der Wohnqualität im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen in bereits ausgebaute Obergeschosse eingesetzt.

Die Errichtung von Gauben ist genehmigungspflichtig und die Beantragung muss durch Bauvorlagenberechtigte erfolgen. Ausnahmen können regional unterschiedlich in Abhängigkeit von der Größe der zu errichtenden Gaube bestehen. So gilt vielfach ein Drittel der darunter liegenden Außenwand als Ausnahmegrenze. Da der Bau einer Gaube aber in den allermeisten Fällen in die Statik der Dachkonstruktion eingreift, ist fachliche Ausführung ein Gebot der eigenen Sicherheit.

Gauben können aus Holz aufgebaut werden, gemauert sein oder aus anderweitigen Konstruktionen bestehen. Sie werden in der Regel gedämmt wie die Dachhaut selbst und von außen mit Ziegeln, Schiefer, Metall oder Holz beplankt. Als kostengünstig erweisen sich häufig Fertiggauben, da hier auf vorhandene Bauunterlagen und eine teilindustrielle Vorfertigung zurückgegriffen werden kann. Wirklich individuelle Lösungen bietet der spezialisierte Architekt oder der Dachdeckerfachbetrieb.


Dämmung und Innenverkleidung

Bei der Sanierung und dem Ausbau von Dachgeschossen werden Decken und Wände (einschließlich Dachschrägen) sowie deren innenseitigen Bekleidungen, Dämmschichten oder Verschalungen ersetzt, aufgebracht, erneuert oder eingebaut.

Da sie beheizte oder gekühlte Räume nach oben gegen die Außenluft abgrenzen, müssen die nach den Vorschriften der Energieeinsparverordnung (EnEV) vorgeschriebenen Dämmwerte erreicht werden.


Grundsätzliche Verfahren der Steildachdämmung

  • Aufsparrendämmung
  • Zwischensparrendämmung
  • Untersparrendämmung


Beim Ausbau werden üblicherweise Zwischen- und Untersparrendämmung einzeln oder miteinander kombiniert eingesetzt. Eine neu einzubauende Aufsparrendämmung wäre zwar eine effiziente Lösung, fällt aber unter die Rubrik Dachsanierung und ist sinnvollerweise mit ergänzenden Energiesparmaßnahmen wie dem Einbau von Solarelementen etc. zu kombinieren. Nicht alle älteren Dachstühle sind zudem aus statischen Gründen für diese Form der Dämmung geeignet.


Ausnahmen für Bestandsbauten bei Dämmstärken laut Energieeinsparverordnung

Die Prüfung der Tragfähigkeit der vorhandenen Dachkonstruktion hat selbstverständlich auch bei allen Dämmmethoden zu erfolgen. Bei vielen älteren Gebäuden steht der Bauherr zudem vor dem Problem, dass die Sparrenstärke nicht ausreicht, um den Einbau der der Energieeinsparverordnung entsprechenden Dämmmaterialstärke zu gewährleisten. Sind heute Sparrenhöhen von bis zu 240 Millimetern üblich, finden sich in Bestandsbauten 160, teils sogar 140 Millimeter und weniger. Da sie häufig auch noch als Kaltdächer ausgeführt sind, dass heißt, eine Hinterlüftung gewährleistet sein muss, und innenseitig die Bekleidung nicht unbegrenzt in den Raum hineinragen kann, hat der Gesetzgeber eine Ausnahme definiert: Demnach gelten die Forderungen der EnEV als erfüllt, wenn die nach anerkannten Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtdicke eingebaut wird. Bei einer Dämmdicke von 160 Millimetern werden die Anforderungen regelmäßig erfüllt.

Der klassische Aufbau einer Dachdämmung besteht von außen nach innen aus Ziegel oder Dachsteinen, Unterspannbahn bzw. "intelligenter" Klimamembran, Zwischensparrendämmung (mit oder ohne Hinterlüftung), Dampfbremse, gegebenenfalls Untersparrendämmung, Rohbekleidung und Endgestaltung durch Tapete, Farbe, Putz oder Ähnlichem. Es kann auch mit Panel verschalt werden.

Dämmung gibt es in den verschiedensten Ausführungen, Materialien, Dicken und Dämmwerten.


Wärmebrücken können teuer werden

Für den Zwischensparreneinsatz eignen sich vor allem Klemmfilze oder Keile. Hinsichtlich des Materials sind für viele Bauherren nicht nur die erreichten Werte von Bedeutung, sondern auch eigene Präferenzen: Die Möglichkeiten reichen von Mineral- oder Steinwolle, über Wolle und Hanf bis hin zu synthetischen Dichtstoffen, die teils auch in zu fertigende Hohlräume eingeschäumt oder eingeblasen werden können.

Unabhängig vom Material können beim unsachgemäßen Einbau der Dämmung Wärmebrücken entstehen. Sie verursachen Heizenergieverluste von bis zu 25 Prozent und bergen zudem die Gefahr der Tauwasserbildung und der Durchfeuchtung der Trägerkonstruktion.

Besondere Bedeutung kommt der luftdichten Verklebung der Dampfbremse zu. Das betrifft sowohl die Bahnen untereinander, als auch die Wandanschlüsse und Durchlässe. Problemfelder sind auch die Übergänge von Dachschrägen zum Drempel oder zur Ständerwand. Feuchtigkeit aus der Raumluft darf nicht in die Unterkonstruktion oder die Dämmung gelangen.

Die Dachschräge bietet sich beim Dachausbau als besonderes Gestaltungselement an. Ungewöhnliche Materialien und Techniken werden von Innenarchitekten und spezialisierten Fachbetrieben insbesondere des Trockenbaus und des Dachdeckerhandwerks angeboten.


Wände, Decken, Böden

Zur Schaffung innenseitiger Raumbegrenzungen werden die Verfahren des Trockenbaus eingesetzt:

  • Ständerwände mit Bekleidung aus Gipskarton- oder Holzfaserplatten beispielsweise
  • Vorsatzschalen an Drempeln und Pfetten etc. zur Hinterdämmung sowie zur konstruktiven und optischen Einbeziehung in die Raumstruktur
  • separate Pfetten- und Balkenverkleidung

Da, wo aus konstruktiven Gründen tragende Elemente der Dachkonstruktion im neu zu schaffenden Raum sichtbar bleiben, gibt es die Möglichkeit, diese mit Einzellösungen einzuschalen oder zu bekleiden. Dafür gibt es auch industriell vorgefertigte Bauelemente aus den verschiedensten Materialien, beispielsweise mit der Optik alter Balken oder mit Ornamenten. Sehr beliebt ist auch die direkt sichtbare Einbeziehung der Dachbalkenkonstruktion, meist nach einer entsprechenden Oberflächenvergütung durch Schleifen, Beizen, etc.

Decken werden in der Regel als abgehängte Konstruktionen an den vorhandenen Kehlbalken befestigt. Hier finden sowohl Metalldeckenprofile, als auch Holzunterkonstruktionen Verwendung. Handelt es sich um ein Sparrendach ohne Kehlbalken, oder haben diese nicht die baulich notwendige Höhe, wird mit Hilfe von Konstruktionsholz eine zusätzliche tragfähige Unterkonstruktion gezimmert. Das Gleiche gilt bei Pfettendächern.

Die Dämmung erfolgt günstig als von oben einzubringende Auflagedämmung für obere Geschossdecken und kann durch zusätzliche Ausfachung der darunter liegenden Konstruktion verstärkt werden. Für die Bekleidung stehen neben Gipskartonplatten auch weitere Materialien zur Verfügung.

Als die optisch elegantere Lösung wird vielfach der Ausbau bis in die Dachspitze angesehen. Aus energetischen Gesichtspunkten hat die abgehängte Decke allerdings deutliche Vorteile.

Vorhandene Bodenkonstruktionen werden durch Trockenschüttung oder Nivellierspachtel auf ein ebenes Niveau gebracht. Bei Holzbalkendecken ist ein vorheriger Rieselschutz empfehlenswert. Anschließend erfolgt eine Belegung mit Dämmmaterial und Estrich, oder direkt mit Estrichverbundplatten. Zur Schallentkopplung der Seitenwände ist eine vorherige Verlegung von Randdämmstreifen nötig.

Sollen als abschließender Belag Massivholzdielen zum Einsatz kommen, wird in der Regel auf den Einbau eines Estrichs verzichtet. Die meist gespundeten Dielen werden verdeckt auf eine Holzunterkonstruktion genagelt, geschraubt oder mit speziellen Dielenklammern befestigt. Hier ist eine vorherige ausreichende Ausfachung oder Belegung des Untergrunds mit Dämmung aus Gründen des Wärme- und vor allem Trittschallschutzes unumgänglich.


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